Anstieg von Auskunftsersuchen: Wie KI die DSGVO-Praxis verändert 

Unternehmen berichten zunehmend von einer steigenden Zahl von Auskunftsersuchen nach Art. 15 DSGVO. Neben klassischen Einzelanfragen ist verstärkt zu beobachten, dass Anfragen standardisiert formuliert und systematisch eingereicht werden.

Ein möglicher Treiber dieser Entwicklung ist der Einsatz von KI-Assistenzsystemen, die Betroffene bei der Formulierung und Einreichung entsprechender Anträge unterstützen.

 

Hintergrund

Die DSGVO räumt betroffenen Personen ein umfassendes Recht auf Auskunft über die Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten ein. Unternehmen sind verpflichtet, solche Anfragen innerhalb eines Monats zu beantworten.

Während Auskunftsersuchen in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich zugenommen haben, verändert sich derzeit die Struktur der Anfragen:

  • Formulierungen sind häufig juristisch präzise und vollständig.
  • Anfragen werden gebündelt oder parallel an mehrere Unternehmen gerichtet.
  • Standardisierte Musterschreiben werden vermehrt genutzt.

KI-gestützte Tools erleichtern es Betroffenen, ihre Rechte schnell und formal korrekt geltend zu machen. Dadurch sinkt die faktische Hürde für die Einreichung entsprechender Anfragen erheblich.

 

Problematische Entwicklungen

 

  • Quantitative Zunahme standardisierter Anfragen

    Unternehmen sehen sich vermehrt mit umfassenden Auskunftsersuchen konfrontiert, die häufig mithilfe digitaler Assistenten generiert wurden. Der Aufwand zur Prüfung und Beantwortung bleibt vollständig beim Verantwortlichen.

  • Erhöhter organisatorischer Druck

    Je präziser und umfangreicher Anfragen formuliert sind, desto höher ist regelmäßig der interne Prüfaufwand – insbesondere bei komplexen IT-Strukturen oder dezentraler Datenhaltung.

  • Missbrauchsanfälligkeit

    In Einzelfällen besteht die Gefahr strategischer oder massenhafter Auskunftsersuchen, etwa im arbeitsrechtlichen Kontext oder bei Verbraucherdienstleistungen. Auch hier erleichtert KI die standardisierte Generierung entsprechender Schreiben.

 

Bedeutung für die Praxis

Das Auskunftsrecht wird zunehmend aktiv genutzt. Für Unternehmen ist es damit kein Randthema mehr, sondern ein strukturelles Compliance-Thema. Prozesse zur Identitätsprüfung, Datenermittlung und Fristenkontrolle müssen belastbar organisiert sein.

Der Einsatz von KI durch Betroffene verändert dabei nicht die Rechtslage, wohl aber die praktische Dynamik: Anzahl, Umfang und Qualität der Anfragen nehmen spürbar zu.

 

Handlungsempfehlungen

Unternehmen sollten ihre Prozesse zur Bearbeitung von Auskunftsersuchen regelmäßig überprüfen. Zuständigkeiten, Fristenüberwachung und Dokumentation müssen klar geregelt sein.

Der Einsatz technischer Unterstützung – etwa automatisierter Such- und Exportfunktionen – kann den internen Aufwand erheblich reduzieren. Zudem empfiehlt es sich, juristisch geprüfte Standardantworten vorzuhalten, um effizient und konsistent zu reagieren.

Gleichzeitig sollten mögliche Missbrauchsfälle erkannt und sorgfältig geprüft werden, ohne vorschnell pauschale Ablehnungen auszusprechen, da diese rechtlich angreifbar sein können.

 

Ausblick

Es ist davon auszugehen, dass der Einsatz von KI-Assistenzsystemen die Inanspruchnahme von Betroffenenrechten weiter erleichtern wird. Damit dürfte auch die Zahl umfangreicher Auskunftsersuchen weiter steigen.

Unternehmen sollten das Auskunftsrecht daher als dauerhaft relevanten Bestandteil ihrer Datenschutz-Organisation betrachten – nicht als Ausnahmefall.

 

Kontakt

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Melden Sie sich gern unter datenschutz@bitkom-consult.de.

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