ISO/IEC 27090: Warum klassische Informationssicherheit für KI-Systeme nicht immer ausreicht
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Mit der am 14. Oktober 2026 veröffentlichten ISO/IEC 27090 steht Unternehmen ein neuer internationaler Standard zur Verfügung, der sich gezielt mit Sicherheitsbedrohungen für KI-Systeme beschäftigt. Die Norm ergänzt etablierte Standards wie ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002 und verdeutlicht: Wer künstliche Intelligenz entwickelt oder einsetzt, muss auch deren spezifische Sicherheitsrisiken berücksichtigen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- KI-spezifische Sicherheitsrisiken: KI-Systeme können durch manipulierte Trainingsdaten, Angriffe auf Modelle und weitere Schwachstellen gefährdet werden, die klassische IT-Sicherheitsmaßnahmen nicht immer ausreichend abdecken.
- Ergänzender Sicherheitsstandard: Die ISO/IEC 27090:2026 unterstützt Organisationen dabei, KI-spezifische Cyberrisiken über den gesamten Lebenszyklus eines Systems zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu entwickeln.
- Integrierte Governance: Die neue Norm ergänzt bestehende Managementsysteme nach ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 42001. Unternehmen sollten ihre Risikoanalysen, Zuständigkeiten und internen Kontrollen entsprechend überprüfen.
Neue Technologien, neue Angriffsflächen
KI-Systeme unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von klassischen IT-Anwendungen. Ihre Funktionsweise hängt unter anderem von Trainingsdaten, Modellen, Eingaben und teilweise kontinuierlichen Anpassungsprozessen ab.
Daraus entstehen zusätzliche Angriffsflächen, die mit traditionellen Sicherheitsmaßnahmen allein nicht immer ausreichend adressiert werden können.
KI-SICHERHEITSRISIKO 01
Data Poisoning
Werden Trainingsdaten gezielt manipuliert, kann dies die Ergebnisse und das Verhalten eines KI-Systems beeinflussen.
KI-SICHERHEITSRISIKO 02
Angriffe auf KI-Modelle
Bei Angriffen auf KI-Modelle können vertrauliche Modellinformationen oder geschützte Unternehmenswerte gefährdet sein.
Solche Risiken betreffen nicht ausschließlich Entwickler komplexer KI-Modelle. Auch Unternehmen, die KI-Anwendungen in bestehende Geschäftsprozesse integrieren, müssen mögliche Auswirkungen auf Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit berücksichtigen.
Was regelt die ISO/IEC 27090?
Die ISO/IEC 27090:2026 trägt den Titel „Cybersecurity – Artificial intelligence (AI) – Addressing security threats and compromises to AI systems“.
Sie bietet Organisationen Hilfestellungen, um KI-spezifische Sicherheitsbedrohungen über den gesamten Lebenszyklus eines Systems zu verstehen, zu erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Für wen ist die Norm relevant?
Der Standard richtet sich ausdrücklich an Organisationen unterschiedlicher Größen und Branchen, die KI-Systeme entwickeln oder nutzen.
Dabei ersetzt die ISO/IEC 27090 weder die ISO/IEC 27001 noch die ISO/IEC 42001. Vielmehr ergänzt sie bestehende Managementsysteme um eine spezifische Perspektive auf die Cybersicherheit künstlicher Intelligenz.
Welche Verbindung besteht zur ISO/IEC 42001 und zum EU AI Act?
Die ISO/IEC 42001 verfolgt einen organisationsweiten Ansatz für das Management künstlicher Intelligenz. Sie umfasst unter anderem Governance, Verantwortlichkeiten, Risikomanagement, interne Audits und kontinuierliche Verbesserung.
Die ISO/IEC 27090 konzentriert sich dagegen auf die Identifikation und Behandlung von Sicherheitsbedrohungen für KI-Systeme.
INFORMATIONSSICHERHEITSMANAGEMENT
ISO/IEC 27001
Ein bestehendes Informationssicherheitsmanagementsystem nach ISO/IEC 27001 kann die organisatorische Grundlage für den Schutz von Informationen und die Steuerung von Sicherheitsrisiken bilden.
KI-MANAGEMENTSYSTEM
ISO/IEC 42001
Ein KI-Managementsystem nach ISO/IEC 42001 deckt zusätzliche Governance-Anforderungen ab und unterstützt die systematische Steuerung des KI-Einsatzes innerhalb einer Organisation.
KI-SPEZIFISCHE CYBERSICHERHEIT
ISO/IEC 27090
Die ISO/IEC 27090 liefert ergänzende Orientierung für die Identifikation und Behandlung KI-spezifischer Cyberrisiken.
Welche Bedeutung hat das für den EU AI Act?
Auch regulatorisch ist diese Verzahnung relevant. Artikel 15 des EU AI Act enthält Anforderungen an Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit von Hochrisiko-KI-Systemen. Dazu gehören insbesondere geeignete Maßnahmen gegen spezifische Schwachstellen und Angriffe auf KI-Systeme.
Was bedeutet das für KI-Compliance-Beauftragte und Auditoren?
Die neue Norm verdeutlicht, dass KI-Compliance nicht ausschließlich eine rechtliche oder datenschutzrechtliche Aufgabe ist.
KI-Compliance-Beauftragte müssen in der Lage sein, sicherheitsrelevante Risiken zu erkennen, geeignete Fachbereiche einzubinden und deren Behandlung organisatorisch zu koordinieren.
Vier zentrale Prüffragen für interne Audits
- Sind KI-spezifische Bedrohungen Bestandteil der Risikoanalyse?
- Werden Sicherheitsrisiken bei der Beschaffung und Integration externer KI-Dienste berücksichtigt?
- Sind Zuständigkeiten für Sicherheitsvorfälle mit KI-Bezug eindeutig geregelt?
- Werden Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft?
Dabei ist nicht erforderlich, dass KI-Compliance-Beauftragte selbst technische Sicherheitstests durchführen.
Wie Bitkom Consult unterstützt
Bitkom Consult unterstützt Unternehmen dabei, Informationssicherheit, KI-Governance und regulatorische Compliance in einem integrierten Managementansatz zusammenzuführen.
Unsere Leistungen im Überblick
- ISMS-Weiterentwicklung: Anpassung bestehender Informationssicherheitsmanagementsysteme an neue Anforderungen.
- Gap-Analysen: Identifikation von Lücken zwischen vorhandenen Managementprozessen und KI-spezifischen Anforderungen.
- KI-Managementsysteme: Einführung und Weiterentwicklung von KI-Managementsystemen nach ISO/IEC 42001.
- Interne Audits: Vorbereitung und Durchführung entsprechender Audits.
- Schulungen und Qualifizierung: Vermittlung organisatorischer und regulatorischer Kompetenzen für KI-Compliance-Beauftragte und Auditoren.
Im Rahmen unserer Schulungs- und Zertifikatsangebote zum KI-Compliance-Beauftragten und zur Auditierung von KI-Managementsystemen vermitteln wir darüber hinaus die erforderlichen organisatorischen und regulatorischen Kompetenzen.