„Datenschutz und innovatives Personalmanagement schließen sich keinesfalls aus“

Die Bitkom Servicegesellschaft und Kienbaum Management Consultants untersuchen in einer gemeinsamen Studie, wie Unternehmen in Deutschland mit der Digitalisierung von HR-Prozessen umgehen. Beschäftige aller Branchen können noch bis zum 13. November 2015 an der Umfrage teilnehmen. Horst-Dieter Bruhn, Senior Expert bei Kienbaum, und Andreas Schulz, Datenschutzbeauftragter der Bitkom-Gruppe, äußern sich im Interview über Chancen und Anforderungen bei der Einführung digitalisierter Prozesse im Personalmanagement.
 
Welche Trends entstehen im Personalmanagement durch die fortschreitende Digitalisierung?
 
Bruhn: Anwendungen verlagern sich in externe Clouds, Unternehmen rekrutieren aktiv in sozialen Netzwerken und die Personalarbeit beginnt sich für die Möglichkeiten von Big Data zu öffnen.
 
Welche datenschutzrechtlichen Fragen ergeben sich daraus für Unternehmen?
 
Schulz: Für den Datenschützer stellen sich zunächst immer die Fragen, ob es für die Verarbeitung von Daten eine gesetzliche Grundlage und einen legitimen Zweck gibt. Bei der Datenerhebung und Verarbeitung in Kooperation mit Dritten, z.B. Cloud-Anbietern und sozialen Netzwerken, müssen Unternehmen darüber hinaus beachten, rechtlich wasserdichte Vereinbarungen mit ihren Dienstleistern zu treffen und sicherzugehen, dass die Daten dort nach dem Stand der Technik geschützt sind. Hierbei bedürfen insbesondere Datenübermittlungen an Staaten außerhalb der EU einer eingehenden Prüfung.
 
Herr Bruhn, Sie beraten zahlreiche Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien. Haben Sie das Gefühl, dass Datenschutzfragen – gerade wenn es um Personaldaten geht – von Unternehmen nüchtern betrachtet werden?
 
Bruhn: Datenschutzfragen werden in Unternehmen in der Regel häufig nicht evidenzbasiert betrachtet. Immer wieder höre ich von Fällen, in denen Datenschutzbeauftragte unzureichend und viel zu spät eingebunden und somit nicht optimal beteiligt werden. Dabei schließen sich Datenschutz und innovatives Personalmanagement keinesfalls aus. Im Gegenteil könnten Datenschutzbeauftragte mit besserer Weiterbildung handlungssicherer gemacht werden und Digitalisierungsprozesse begleiten.
 
Schulz: Dem kann ich weitgehend zustimmen. Datenschutz dient keinem Selbstzweck. Die schutzwürdigen Interessen der Betroffenen und unternehmerische Interessen müssen sorgfältig in Ausgleich gebracht werden. Datenschutz steht dabei innovativen Anwendungen und Dienstleistungen nicht zwingend entgegen. Mit einer sorgfältigen Ausgestaltung der Prozesse, z.B. durch Anonymisierung und kurze Speicherfristen, lassen sich viele moderne HR-Anwendungen datenschutzkonform ausgestalten. Gerade für Unternehmen, die Daten mit US-Dienstleistern austauschen, besteht jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion zum Safe-Harbor-Abkommen erhöhter Handlungsbedarf.
 
Die Teilnahme an der Studie „Datenschutz im Personalmanagement 2015“ ist unter www.bitkom-consult.de/hr-und-datenschutz möglich. Die Ergebnisse der Studie werden nach einer kostenlosen Registrierung zur Verfügung gestellt.